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Die Geschichte des Yacht-Club Stössensee

Wie aus dem Schwemmland am Steffenhorn Nutzland wurde und wie vor 75 Jahren die Geschichte des Yacht-Club Stössensee begann.


Noch in amtlichen Karten von 1852 sah die Landschaft vor unserer Haustür völlig anders aus. Der Stössensee, begrenzt im Norden durch das Steffenhorn, dem Schwemmland des ehemaligen Mündungsdeltas der Havel, im Süden durch seine Öffnung am Rupenhorn und Siemenswerder in der Schildhornbucht, bildete noch eine Einheit. In den Unterlagen von 1908 entdeckten wir eine Brücke vom Rupenhorn nach Siemenswerder. Aber bereits im Jahre 1898 regte Ludwig Hercher den Bau einer »Prachtstraße Berlin – Döberitz« an. Nach langwieriger Planung wurde sie schließlich 1906 bis 1910 als »Heerstraße« gebaut. Ihre Trassenführung machte eine Überquerung des Stössensees und damit die riesige Aufschüttung eines Dammes mit dem Bau der heutigen Stößenseebrücke erforderlich. Damm und Brücke kosteten damals die stolze Summe von 2,5 Millionen Goldmark.


Diese Maßnahme veränderte die Nachbarschaft grundlegend, unterteilte sie doch den Stössensee in einen kleineren nördlichen und einen größeren südlichen Teil. Dank der Weitsicht der Architekten, die diese Brücke als Hochbrücke mit einer Durchfahrtshöhe von 13,40 m über mittlerem Hochwasser konzipierten, blieb der kleinere Stößensee dem Segelsport erhalten. Der Damm ermöglichte zudem an seinen nördlichen und südlichen Hängen die Ansiedlung von Wassersportvereinen. So entstand u. a. am Nordhang im Jahre 1922 unser Mutterverein, der Wander-Segler-Verein 1922 e. V. (WSV22).


Der Brückendamm hatte aber auch einen weiteren Vorteil gebracht. Er schaffte einen Naturhafen und schützt unsere Steganlagen und das Ufer vor dem starken Schwall der Berufsschifffahrt. Der gewaltige Druck der aufgeschütteten Erdmassen des Dammes bewirkte als Nebenprodukt ein leichtes Anheben des ständig überfluteten Schwemmlandes am Steffenhorn, so dass eine Nutzung der Halbinsel möglich wurde.


Der Anfang


Die räumliche Begrenzung auf dem schmalen Nordhang, auf dem der WSV22 ansässig wurde, veranlasste einige Mitglieder des Vereins nach Alternativen für ein neues Grundstück zu suchen. Sie pachteten von den Meyerschen Erben die Halbinsel Steffenhorn – das heutige Clubgelände.


Das uns allen vertraute Holz-Clubhaus war am Gründungstag schon vorhanden. Es wurde im Jahr 1924 nach der Inflation von 10 Handwerksmeistern für ihre Familien zum Sommeraufenthalt gebaut. Um die notwendigen finanziellen Mittel sicherzustellen, bildeten die Männer und Frauen der ersten Stunde zunächst eine Genossenschaft mit einer Einlage von 3000,- Rentenmark je Mitglied. Unter dieser Genossenschaft entstand das hölzerne Clubhaus im nordischen Landhausstil mit Messe, Nebengelass, Veranda, Balkon und 14 Zimmern für die Genossenschaftsmitglieder, die das Anrecht der Nutzung der Zimmer auf Lebzeiten hatten. Sie hatten jedoch nicht das Recht, ihre persönlichen Anrechte auf andere zu übertragen. In den späteren Satzungen des Clubs wurden die Nutzungsrechte nach Ausscheiden der Mitglieder an interessierte Clubmitglieder auf  Zeit vergeben. Alle diese Hausbesitzer waren Segler oder Motorbootfahrer und Mitglieder des Wander-Segler-Verein 1922 e. V., bevor die Trennung vollzogen wurde und die Gründung eines eigenen Clubs bevorstand. Das war der Anfang vom Yacht-Club Stössensee.


Am 26. Juni 1925 wurde von Mitgliedern des Wander-Segler-Verein 1922 e. V. der Yacht-Club Stössensee e. V. gegründet. Die Eintragung in das Vereinsregister beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg wurde von:

Waldemar Meyrich, Paul Seiler, Walter Kortzitze, Georg Freudenberg, Johannes Wagner, Rudolf Troyka und

Alfred Zendasch beantragt. Die Eintragung wurde daraufhin unter dem Namen Yacht-Club Stössensee e. V. vorgenommen und im Amtsblatt veröffentlicht. Bald danach wurde der neue Club Mitglied im Deutschen Seglerbund sowie im Deutschen Kraftbootverband. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Club zwei Stege, einen sogenannten Seglersteg und einen Badesteg. Am Seglersteg lagen diverse H-Jollen, Jollenkreuzer und zwei Motorboote. Nach kurzer Zeit kamen weitere Segel- und Motorboote hinzu. Die Mitglieder waren selbständige Geschäftsleute aus Handel und Banken sowie Ärzte und Angestellte. Zum Yacht-Club Stössensee zu gelangen, war recht kompliziert. Egal ob zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Motorrad - man musste zuerst zur Anlegestelle des Yacht-Club Stössensee, die sich am Restaurant »Seeschloß« an der Stössenseebrücke befand. Von dort konnte man mit dem Clubkahn das Clubgelände erreichen. Probleme bereiteten auch die Energieversorgung und das Trinkwasser. Elektrisches Licht wurde anfangs durch Petromaxlampen ersetzt. Das aus einem Brunnen entnommene Wasser war ungenießbar. Trinkwasser musste mitgebracht werden.


Die Vereinsführung


Im Gründungsjahr bestand der im Vereinsregister eingetragene Vorstand aus 3 Personen: dem 1. Vorsitzenden Waldemar Meyrich, dem Schriftführer Georg Freudenberg und dem Kassenwart Walter Kortzitze. Bereits im Jahr 1926 ergänzte man den Vorstand um einen stellvertretenden Vorsitzenden, dessen Funktion Johannes Wagner wahrnahm. Im Jahr 1935 erhielten die Sportvereine eine Einheitssatzung. Der von den Mitgliedern zu wählende Vorsitzende nannte sich nun Vereinsführer und dieser ernannte seinen Beirat, der aus seinem Vertreter, einem Schriftführer, einem Kassenwart und einem Werbe- und Datenwart zu bestehen hatte.


Die Nachkriegsgeschichte


Im Jahr 1945 wurden alle Sportvereine – und somit auch unser Club – aufgelöst und verboten. In dieser ,vereinslosen‘ Zeit bemühte sich Kamerad Johannes Meyrich, der Sohn des Vereinsgründers Waldemar Meyrich, in aufopfernder Weise um das Clubgelände am Steffenhorn mit dem Clubhaus und allen inzwischen errichteten Einrichtungen, in dem Bestreben, dieses Gelände für den Segelsport zu erhalten. In den zurückliegenden Jahren wurde das  Clubhaus in Eigenleistungen der Mitglieder ständig renoviert, in seinen funktionellen Einrichtungen und in seiner Qualität verbessert, ohne den ursprünglichen Baustil zu verändern.


1949 wurden Sportvereine wieder erlaubt, und am 8. August 1949 genehmigte der Magistrat von Berlin die Wiederzulassung des Yacht-Club Stössensee, der seine Neueintragung beim Amtsgericht am 18. Januar 1950 als Yacht-Club Stössensee e.V. beantragte. Zunächst fungierte der langjährige Vorsitzende Paul Dietze wieder als Notvorstand, bis am 1. April 1950 ein neuer Vorstand mit dem 1. Vorsitzenden Johannes Meyrich, dem 2. Vorsitzenden Erich Garde, dem Schriftführer Hugo Schumann, dem Kassenwart Horst Schmiljan, dem Presse- und Datenwart H. J. Hoffmann, dem Sportwart Wilhelm Neumann und dem Jugendwart Erhard Pflüger gewählt und eingetragen wurde. Am 11. Februar 1953 ging der langjährige Vorsitzende Paul Dietze, der inzwischen als »Onkel Paule» zu einer Institution wurde, in seine 3. Periode als 1. Vorsitzender. Rechnet man die ,vereinslosen‘ 4 Jahre von 1945 bis 1949 ab, so brachte es Paul Dietze bis zu seinem endgültigen Ausscheiden aus dem Vorstand auf 19 Jahre als 1. Vorsitzender. Am 27. Januar 1954 übernahm dann der bisherige Jugendleiter, der später zum Ehrenmitglied ernannte Kurt Reincke, für weitere 19 Jahre bis zum Februar 1973 die Führung des Vereins. Unter ihm wuchs der Verein bis zu seiner heutigen Größe. Er setzte sportliche Akzente, die in vielfältigen Erfolgen ihren Höhepunkt fanden, und es gelang ihm, am 21. Juni 1960 mit den Meyerschen Erben einen 25-jährigen Pachtvertrag bis zum 31. Dezember 1985 auszuhandeln. Im Jahr 1973 übernahm dann der passionierte Fahrtensegler und mehrfache Gewinner diverser Preise der Kreuzerabteilung,   u. a. des Ostseepreises, Ralph Cudell, für 6 Jahre den Vorsitz. Bis Ende der 50er Jahre war die Lust an Sport und Spiel besonders groß. Der vitale »Hunger« der Menschen nach Leben war verständlich nach der Hitler-Diktatur und den Kriegsjahren.


Die 60er Jahre trübten oder relativierten das Freizeitverlangen, befand man sich schließlich in der Zeit des »Kalten Krieges«. Die politischen Unruhen mit dem begrenzten Lebensraum in Berlin-West und der ständig gefühlten Bedrohung ließen alles andere als sorgloses Freizeitvergnügen aufkommen. Dennoch war man optimistisch – »...der Insulaner verliert die Ruhe nicht...« sang man im Neumannschen Kabarett. Der Tagesspiegel zeigte auf seiner Titelseite vom 7. April 1966 eine dieser Bedrohungen: »Sowjetflugzeug bei Manövern über Berlin in den Stössensee gestürzt«. In dieser politisch instabilen Zeit war dennoch die Freizeit ein wichtiges Ventil zum Leben. Wassersport zu betreiben war in Berlin teuer und sehr begrenzt. Viele Vereine waren überfüllt und die Aufnahmebedingungen besonders streng, wollte man doch wissen, wer zu einem passt. Wer mit seinem Boot andere Wassersportreviere kennenlernen wollte, musste den mühsamen Transitweg auf der Elbe (im Schlepp oder auf dem Lastkahn) wählen.


Dieter Winzens




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